
Im heutigen China sind Akupunktur und traditionelle chinesische Medizin etablierte Bestandteil der modernen medizinischen Versorgung und werden parallel eingesetzt. Während die jahrtausendealte traditionelle chinesische Medizin tief in der chinesischen Kultur verwurzelt ist, hat die westliche Medizin insbesondere in den letzten 150 Jahren in China erheblich an Bedeutung dazu gewonnen.
Sowohl die westlich ausgebildeten Ärzte als auch die traditionellen Ärzte kennen die Stärken und Schwächen ihrer eigenen Behandlungsmöglichkeiten. So wird auch in China zur Behandlung einer bakteriellen Infektionskrankheit eher ein Antibiotikum eingesetzt als traditionelle chinesische Heilkräuter. Umgekehrt werden in China eine Migräne oder bestimmte Beschwerden des Rückens eher durch eine Akupunktur als durch den Einsatz von Medikamenten behandelt. Zudem ist es üblich, einen Patienten gleichzeitig mit traditionellen und westlichen Methoden zu behandeln, wenn eine Therapie alleine nicht zum Ziel führt.
Ein Krebspatient kann beispielsweise mit einer modernen Chemotherapie behandelt und zusätzlich noch akupunktiert werden.
Auch bei Schwangeren, bei Patienten mit Medikamentenunverträglichkeiten oder bei chronischen und fortschreitenden Erkrankungen, für die es keine schulmedizinische Therapie gibt, ist Akupunktur oft das Mittel der Wahl. Dabei kann diese Therapie generell wesentlich individueller eingesetzt werden als es mit bei schulmedizinischen Verfahren möglich ist.
In Deutschland hat sich die Akupunktur seit den frühen 70er Jahren als eine Therapie etabliert, die in ihrer Wirkung von der Schulmedizin anerkannt ist. Im Bonner Umkreis gibt es über 100 Ärzte, die Akupunktur in ihr Therapiespektrum aufgenommen haben. Häufig wird die Akupunktur von Ärzten mit Kassenzulassung als eine sogenannte IGeL Leistung angeboten.
Auch bei Heilpraktikern wird die Akupunktur häufig als eine von verschiedenen Therapien angeboten.
Ärzte können Fortbildungskurse besuchen und auf diesem Wege die Zusatzbezeichnung Akupunktur erhalten. Aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin sind solche Kurse allerdings nicht geeignet, fundierte Einsicht in die Akupunktur oder praktische Erfahrungen zu erlangen. Bei Heilpraktikern gibt es zudem keinen einheitlichen Standard, der die Ausbildung zum Akupunkteur regelt.
Risiken und Nebenwirkungen der Akupunktur
Schmerzempfinden

Die Akupunktur ist praktisch frei von Risiken und Nebenwirkungen, wenn sie professionell durchgeführt wird. Lediglich an der Einstichstelle kann eventuell ein kleiner Bluterguss entstehen. Die modernen Nadeln sind aus chirurgischem Stahl gefertigt und deutlich feiner und weniger schmerzhaft als beispielsweise Spritzen. In meiner Praxis werden ausschließlich Einmalnadeln verwendet, so dass ein Infektionsrisiko für den Patienten ausgeschlossen ist.
Selbst Kinder im Grundschulalter können in der Regel mit den normalen Nadeln akupunktiert werden. Bei der Akupunktur ist es wichtig, dass sich der Therapeut immer auf das individuelle Schmerzempfinden der Patienten einstellen muss. Sollten Sie während der Behandlung in meiner Akupunktur-Praxis in Bonn allerdings Schmerzen fühlen oder ein allgemeines Unwohlsein empfinden, können die Nadeln sofort wieder entfernt werden.
Das ist der große Vorteil gegenüber einem Medikament, das - einmal eingenommen oder gespritzt - bei einer unerwünschten Reaktion nicht wieder aus dem Körper entfernt werden kann. Oftmals bietet sich die Akupunktur gerade dann als die Therapie der Wahl an, wenn die schulmedizinische Therapie wegen eines zu hohen Risikos oder Nebenwirkungen nicht angewandt werden soll. Typisch sind operative Eingriffe bei älteren oder geschwächten Patienten oder auch die Behandlung von schwangeren oder stillenden Frauen.
Die Akupunkturpunkte
Die Wirksamkeit der Akupunktur

Die Akupunkturpunkte liegen auf sogenannten Meridianen an der Oberfläche des Körpers. Über diese Meridiane werden die Akupunkturpunkte mit den Organen verbunden. Grundlage der traditionellen chinesischen Medizin ist die Philosophie von Yin/Yang und den fünf Elementen.
Das Gleichgewicht aus Yin und Yang ist die Voraussetzung für den gesunden Körper. Eine Besonderheit dieser Philosophie ist, dass niemals ein Organ alleine betrachtet, sondern immer in Zusammenhang mit den anderen Organen gesehen wird. Entsprechend gibt es auch in der Therapie stets verschiedene Ansätze, die Beschwerden des Patienten zu behandeln.
In der traditionellen chinesischen Medizin besteht der menschliche Körper nicht nur aus Materie wie Fleisch und Blut, sondern auch aus einem Energieanteil, der das eigentliche Leben ausmacht. Der menschliche Körper wird als ein dynamisches System betrachtet. Alle Organe müssen in einem harmonischen Verhältnis zueinander stehen, und der Energiefluss darf nicht blockiert werden. Krankheit ist stets die Folge einer Beeinträchtigung dieses Systems. Mit der Akupunktur kann die Balance zwischen den Organen wieder hergestellt oder eine Blockade im Energiefluss gelöst werden.
Eine Stimulierung dieser Akupunkturpunkte ermöglicht es, die Organe in ihrer Funktion zu beeinflussen. Dabei stellt ein Gleichgewicht von Ying und Yang den idealen Gesundheitszustand dar, ein Ungleichgewicht führt zu Erkrankungen. Bei der Akupunktur werden hauchdünne Nadeln gerade oder schräg gestochen, sie werden gedreht oder auch auf und ab bewegt. Durch diesen Reiz entwickelt sich ein Strömungsgefühl, das sich entlang der Meridiane ausbreitet. Der Akupunkturpunkt und der zu behandelnde Körperbereich liegen häufig weit auseinander, beispielsweise können Kopfschmerzen durch Akupunktur an Punkten der Arme oder Beine behandelt werden.